Edelstahlschornstein: Für welche Temperatur ist er ausgelegt

09.11.2018 19:28

Edelstahlschornstein Gewicht

Edelstahlschornstein ist nicht gleich Edelstahlschornstein - und nicht jeden Edelstahlschornstein kann man für jede Feuerstätte verwenden. Ein wichtiges Kriterium ist hier die Temperaturbeständigkeit des Schornsteins. Da es in diesem Bereich oft Unsicherheiten gibt, wollen wir das Thema Schornstein und Abgastemperatur einmal etwas näher beleuchten.

Grundlagen

Nicht jeder Brennstoff erzeugt gleich heiße Abgase. Fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas erzeugen bereits von Natur aus deutlich weniger heiße Abgase als Feststoffe (Scheitholz, etc.). Noch geringer fallen die Abgastemperaturen bei sogenannten Brennwerttechnik-Anlagen aus - hier ist die Abgastemperatur oft sogar schon so gering, dass der klassische Schornstein im Durchmesser angepasst werden muss, um überhaupt einen ausreichenden Schornsteinzug zu erreichen.

Die niedrigeren Temperaturen bei modernen Gasheizungen und Ölheizungen führen dazu, dass ein Schornstein für diese Art von Feuerstätten weniger Temperatur aushalten muss (etwa 200 °C), während ein Schornstein, an den ein Kaminofen angeschlossen ist (mindestens 450 °C).

Diese Temperaturbeständigkeit gegenüber unterschiedlichen Abgastemperaturen ist in der Nennbetriebstemperatur eines Schornsteins festgehalten. Um das übersichtlicher zu machen, gibt es sogenannte Nenntemperaturklassen bei Schornsteinen. Die Angabe der jeweils zulässigen Nennbetriebstemperatur eines Schornsteins wird dabei vereinheitlicht und übersichtlicher gestaltet. Die Angabe beginnt immer mit einem T, dahinter schließt sich dann (dreistellig) die jeweilige Temperaturangabe an.

Ein Beispiel: T080 bedeutet eine Nennbetriebstemperatur von 80 °C, T210 eine Nennbetriebstemperatur von 210 °C. Ein solcher Schornstein dürfte nicht dafür verwendet werden, um einen Kaminofen oder eine andere Festbrennstoff-Feuerstätte daran anzuschließen. Dafür ist in jedem Fall mindestens T450 erforderlich.

Eine Angabe zur Nennbetriebstemperaturklasse ist in jedem Fall in der Konformitätserklärung des Herstellers für den Schornstein zu finden. In fast allen Fällen findet sich diese Angabe auch am Schornstein selbst noch ein weiteres Mal, in sehr vielen Fällen am Typenschild an der unteren Reinigungsöffnung.

Die Edelstahlschornstein-Bausätze in unserem Shop erfüllen alle Nennbetriebstemperaturklasse T600, sind also für alle Brennstoffarten geeignet.

Rußbrandbeständigkeitsklasse

Ein weiterer wichtiger Faktor bei Schornsteinen, der mit der Temperatur zusammenhängt, ist die Rußbrandbeständigkeitsklasse. Alle Schornsteine, die an Festbrennstoff-Feuerstätten angeschlossen sind, müssen zwingend rußbrandbeständig sein.

Die Angabe darüber, ob und wie weit ein Schornstein rußbrandbeständig ist, findet sich mit der Bezeichnung G oder O, dahinter steht immer eine dreistellige Zahl.

"G" bedeutet rußbrandbeständig, die Zahl dahinter gibt den vom Hersteller des Schornsteins geforderten Mindestabstand in mm zur brennbaren Bauteilen an..

"O" bedeutet nicht rußbrandbeständig, die Zahlenangabe dahinter gibt ebenfalls den mindestens geforderten Abstand zu brennbaren Bauteilen an. Solche Schornsteine dürfen an einen Kaminofen keinesfalls angeschlossen werden.

Im Zusammenhang mit der Rußbrandfähigkeitsklasse steht dann auch gleich die Standsicherheitsklasse des Schornsteins: Sie wird, wie die Feuerwiderstandsklasse, mit den Zeitangaben 30, 60 oder 90 beschrieben, davor steht der Buchstabe L.

Rußbrandbeständige Schornsteine sind automatisch in die Standsicherheitsklasse L 90 eingeordnet, für niedrige Wohngebäude mit Öl- und Gasheizung genügen in der Regel baurechtlich oft auch Schornsteine der Standsicherheitsklasse L 30 schon. Sie sind dann allerdings nicht rußbrandbeständig und nicht dafür geeignet, etwa zusätzlich zur Gasheizung noch einen Kaminofen anzuschließen.

Innen- und Außenwandtemperaturen bei Schornsteinen

Ein doppelwandiger Edelstahlschornstein besteht immer aus einem Innenrohr, einem Außenrohr und einer dazwischen liegenden, hoch wirksamen Dämmung.

Im Betrieb erhitzt sich das Innenrohr, gerade bei den hohen Abgastemperaturen die Festbrennstoffe verursachen, deutlich mehr als das Außenrohr. Entsprechend dem Gesetz, dass sich Metalle wie die meisten Stoffe bei steigenden Temperaturen ausdehnen, verlängert sich das Innenrohr deutlich mehr als das Außenrohr, da es heißeren Temperaturen ausgesetzt ist.

Wären Innenrohr und Außenrohr nun miteinander verschweißt, würde die dauernde unterschiedliche Längenausdehnung unweigerlich zum Verziehen des Rohrs und eventuell sogar zur Rißbildung führen.

Aus diesem Grund sind Innenrohr und Außenrohr heute bei fast jedem Schornstein entkoppelt - die Fachbezeichnung dafür lautet "körperschalldämpfende Aufhängung des Innenrohrs".

Bei manchen Edelstahlschornsteinen der Billigst-Riege ist das aber nicht der Fall - von solchen Schornsteinen sollte man besser die Finger lassen.

Ein weiterer Aspekt, der mit den unterschiedlichen Temperaturen von Innen- und Außenrohr zu tun hat, ist die Durchgängigkeit der Dämmschicht.

Die Dämmschicht zwischen Innen- und Außenrohr sollte auf jeden Fall durchgehend sein und auf keinen Fall "gekapselten Elementen" bestehen. Der Grund: dort wo die Dämmschicht unterbrochen ist, erwärmt sich punktuell dann auch das Außenrohr sehr stark, an anderen Stellen dagegen nicht. Diese Temperaturdifferenz am Außenrohr kann auf lange Sicht zu Verfärbungen führen, auch ein Verziehen des Außenrohrs ist unter Umständen möglich. Besonders problematisch sind solche "Hot Spots" aber für die Brandschutz-Abstände: Da das Außenrohr sich an diesen Stellen deutlich mehr erwärmt als eigentlich geplant, stimmen die ursprünglich geforderten Brandschutzabstände nicht mehr - sie müssten dann unter Umständen deutlich höher sein als angegeben um kein Risiko bei leicht brennbaren Stoffen in der näheren Umgebung einzugehen.

Temperaturen sind beim Edelstahlschornstein also ein wichtiges - und sehr umfassendes - Thema.


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