Zugverstärker: wo, wie, warum?

05.06.2017 14:07
Zugverstärker

An und für sich ist die richtige Dimensionierung des Schornsteins entscheidend dafür, ob der Zug stimmt. Auf den ersten Blick erscheinen Zugverstärker für den Schornstein damit überflüssig - und Zug-Begrenzer natürlich umso mehr. Ganz so stimmt das aber nicht. Für beide gibt es fallweise Gründe, sie einzusetzen. Welche das sind, und welche Konstruktionsweise hinter Zugverstärkern und Zugbegrenzern steht, erklären wir in unserem Beitrag.

Der Zugverstärker

Geht man aufmerksam durch die Straßen und sieht auch einmal nach oben, fallen einem schnell die glänzenden sich drehenden Kugeln auf Schornsteinen ins Auge. Das sind Zugverstärker.

Das Funktionsprinzip eines Zugverstärkers ist einfach erklärt. Was von unten aussieht, wie eine metallisch glänzende Kugel ist in Wirklichkeit ein Rotor mit sehr feinen Lamellen. Schon eine leise Brise versetzt den Rotor über die Lamellen in eine Drehbewegung.

Dadurch wird auf der Unterseite des Rotors ein Unterdruck erzeugt, der die Abgase aus dem Kamin saugt - und damit dem Schornstein bei seiner Arbeit hilft. Verwendet werden Zugverstärker überall dort, wo die Abgasleistung nicht ganz zufriedenstellend ist - aber immerhin nicht so schlecht, dass eine Anpassung des Schornsteins bereits wirklich sinnvoll wäre. Zugverstärker beugen damit auch drohender Versottung vor, indem sie Abgase entsprechend schneller aus dem Kamin abführen, und damit ihr vorzeitiges Abkühlen im Kamininneren verhindern. Damit ist so ein Kaminaufsatz durchaus in vielen Fällen sinnvoll und nützlich.

Bei der Bauweise muss man allerdings etwas genauer hinsehen: Senkrecht stehende Lamellen sind beim Schornstein nicht günstig, da solche Lamellen möglich machen, dass Wind in den Schornstein eindringt. Das wäre kontraproduktiv, denn dadurch würden die Abgase im Schornstein erst recht noch schneller abkühlen - und genau das wollte man ja vermeiden. Modelle mit schräg stehenden Lamellen fungieren dagegen selbst im Stillstand noch als wirkungsvolle Windabweiser für den Kamin.

Bei Schornsteinsystemen mit glatten Oberflächen (Edelstahlschornstein, Keramikschornstein), die kein Wasser aufnehmen können, macht ein solcher Aufsatz auch als Regenhaube durchaus Sinn. Er hält zuverlässig alle Niederschläge vom Kamin fern, und verhindert das Eindringen von Wasser in den Kamin

Der Zugbegrenzer

Der Zugverstärker ist damit logisch erklärt - beim Zugbegrenzer wird das schon etwas schwieriger. Dahinter steckt aber kein Widerspruch. Ein hoher Kaminzug führt unter anderem dazu, dass Heizanlagen stark angeregt werden, und den Brennstoff schneller verbrennen. In Zeiten, wo ständig am Brennstoff gespart werden soll (um die Heizkosten niedrig zu halten), ist so etwas natürlich kontraproduktiv. Immerhin möchte man so wenig Brennstoff wie möglich verbrennen.

In unserem Beitrag zur Funktionsweise eines Kamins haben wir bereits erklärt, dass vor allem die Temperaturdifferenz zwischen heißem Abgas und kalter Umgebungsluft der Antrieb für die Abgase ist, nach oben durch den Schornstein zu streben. Je größer der Temperaturunterschied zwischen Abgasen und Außenluft ist, desto höher ist der Unterdruck im Kamin.

An sehr kalten Wintertagen kann es nun passieren, dass die Temperaturdifferenz so hoch wird, dass der Kaminzug auf ein höheren Wert steigt, als eigentlich vorgesehen. Dann wird der Heizkessel übermäßig stark angefacht und verbrennt mehr Brennstoff, als er eigentlich müsste.

Um das zu vermeiden, kommen Zugbegrenzer (auch Zugregler oder Nebenluftanlagen) zum Einsatz. Wird der Unterdruck im Schornstein zu groß, öffnet der Zugbegrenzer eine Klappe und lässt ein wenig kalte Luft einströmen, bis der Unterdruck wieder auf dem gewünschten (anstatt auf dem zu hohen) Niveau ist. Damit wird der Brennstoffverbrauch an sehr kalten Tagen durchwegs signifikant gesenkt.

Bei manchen Feuerungsanlagen ist der Einbau von Zugbegrenzern vorgeschrieben - bei sehr vielen aber nicht. Sinn macht er natürlich grundsätzlich bei allen Anlagen, wenn man Heizkosten sparen möchte.

Die Kombination aus Zugverstärker und Zugbegrenzer

Eine Kombination aus beidem würde in vielen Fällen durchaus viel Sinn machen. Der Zugverstärker sorgt für ein schnelles Abführen von Abgasen und beugt Versottung vor - der Zugbegrenzer verhindert gleichzeitig, dass der Zug allzu groß wird, und zu viel Brennstoff verbrannt wird. So herrscht immer der optimale Zug im Kamin - und der kleinstmögliche Brennstoffverbrauch. Runde Sache.


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